Sturmwarnung

Im Konflikt mit mir selbst.
Das Wetter heut entspricht meiner Stimmung.. oder andersherum? Alles grau in grau. Irgendwie ist es ruhiger als sonst. Die Ruhe vor dem Sturm? "Unwetter" ist eigentlich nicht angesagt.
Das wirft mich alles aus der Bahn momentan, damit hab ich nicht gerechnet.
Wenn man mit etwas unglücklich ist, die Situation verändert und merkt, dass man dadurch noch unglücklicher wird, was tut man dann?
Geht man ein Schritt zurück oder versucht man den Sturm über sich ergehen zu lassen mit der Hoffnung, aber Ungewissheit, dass er irgendwann wieder aufhört?
Ich weiß nur nicht, ob ich standfest genug dazu bin.

28.8.08 13:06


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Eine Nacht im Leben eines verlorengegenagenen Feuerzeugs

Ich sitze auf einer Art Sockel nahe einer der beiden großen Bahnhofseingängen am Potsdamer Platz. Es ist gegen 22:00 Uhr. Vor mir eine große freie Fläche, auf der sie wie Ameisen hin- und herwuseln.
Ein paar Meter vor mir auf dem Boden liegt ein grünes Feuerzeug.
Ein Mann im Anzug, mit einem Aktenkoffer kommt die Bahnhofstreppe hinauf. Realtiv zentral bleibt er stehen, zückt einen Stadtplan, schaut sich kurz um und taucht dann für mehrere Minuten in seinem Stadtplan ab. Wie unter einer Käseglocke steht er da.
Einige Meter weiter hinten putzt eine Frau ihrem Shoßhündchen die Kacke vom Hintern. Er kennt die Prozedur und lässt sie machen.
Der Herr mit dem Aktenkoffer ist nun aus seinem Konzentrierten Tun erwacht und läuft bestimmt in eine Richtung.
Das Feuerzeug liegt jetzt ca 3 Meter von seinem Ausgangspunkt entfernt.
Spanische Worte summen in meinem Ohr. Ich schaue hoch. "Äh, Potsdamer Platz? Wo? Mit viele Licht...?" - "Äh, ja, sie sind bereits da." - "Viel Licht!?" - "Achso, ja, zum SonyCenter gehen Sie einfach noch ein Stück weiter, da lang." - "Gracias".
Eben sind die Lichter des "Bahntowers" angegangen. Der gesamte Potsdamer Platz besteht aus "viel Licht!?" Hat man dort eine Weile gesessen, ist man auf dem Weg nach Hause kurzzeitig nachtblind.
Dort wo eben der Mann mit dem Stadtplan stand, steht jetzt ein junger Herr mit einem Gitarrenkoffer. Er schaut nach links, er schaut nach rechts und wartet. Das Feuerzeug hingegen ist schon wieder auf der Reise.
Brummende, schnatternde Geräusche von hinten. Da nähert sich irgendetwas großes. Eine Seniorenreisegruppe zieht im Pinguinmarsch an mir vorbei. Schnell vor einem der Mauerteile aufgestellt, "Knips" und schon wieder verschwunden. Aber die Jugendlichen sind noch da, Einer nach dem anderen, angelehnt, in lässiger Haltung, davorgestellt, Daumen hoch...jetzt grinsen bitte...danke...
"Knirsch", oh, Ende der Reise, mehrere kleine grüne Teilchen liegen jetzt schutzlos da und entfernen sich im Laufe des Abends immer weiter voneinander weg.
Der Junge mit dem Gitarrenkoffer wartet eine gute viertel Stunde an der gleichen Stelle, dann geht auch er...

30.8.08 15:51