Stinkende Spuren

S-Bahnhof Warschauer Str., der Freitag hat sich vor  ca. einer halben Stunde verabschiedet und aus der S-Bahn fluten unaufhörlich Menschenmassen.
Für Nichtberliner: In der Warschauer Str. und deren abzweigenden Straßen folgt eine Bar, Kneipe, Pizzaria etc. auf die nächste. Aber auch die Straße an sich, gerade der Beriech um den S-Bahnhof herum werden gern als Treffpunkt genutzt.
Ich stehe gerade am S-Bahnausgang, warte noch auf jemanden und fröne, zum Zeitvertreib, mal wieder meinem Hobby. Menschengewusel beobachten. Bei der Menge an Menschen kommt man dort voll auf seine Kosten.
Aber: heute hatte die Nacht ein besonderes Highlight für mich in petto.

Zwischen all den hektischen Schritten der Leute, schlängelte sich ein junger, schwarzer Hund gekonnt durch die Massen. Ihm schien das ganze Geschehen vertraut zu sein, denn ich konnte keinerlei Anzeichen von Verunsicherung oder Angst erkennen, im Gegenteil. Mir schien fast, als hätte er genauso viel Spaß am Gewusel wie ich.
Und dann, dann tut er es. Einfach so. Er scheißt mitten auf den Weg. Ein perfekt palzierter Haufen. Ein wirklich ekeliger Haufen, der aber zum Zwecke meiner Belustigung in seiner Größe und Konsistenz nicht perfekter sein könnte.

Anpfiff. Das Spiel beginnt.

Das erste Opfer findet sich schnell. Die Spitze des Haufens ist bereits auf Reisen.
Es ist dunkel und es ist voll, mich wunderts, dass der ein oder andere doch tatsächlich Kenntnis von dieser Tretmine nimmt. Im letzten Moment wird dann gebremst. Spielverderber.
Oh, da hinten, da kommt einer. Der hats vedient. Einer von denen, die im Laufe der Nacht eine Frau nach der nächsten angraben. Hose in den Socken, während des Gehens laufend mit der Frisur beschäftigt.
Ja, die Richtung stimmt, er läuft direkt drauf zu. Und...und...uuuh. Die, die es verdient haben, haben leider auch immer das meiste Glück. Direkt drübergelaufen, aber nicht reingetreten. Verdammt.
Während man sich ägert, kommt auch schon der nächste Pechvogel. Kommt? Nein, er rutscht. Mindestens 10cm. Ich wünsch mir ein Schild auf dem steht 10.0, die B Note war wirklich Top.
Er war der einzige von allen, der sofort gemerkt hat, was sein Schuh da eben durchleben musste. Alle anderen trugen es wie ein Geheimnis mit sich weiter. Ein Geheimnis, dass spätesten im nächsten geschlossenen Raum keins mehr sein wird.
Der Haufen hat mittlerweile nicht mehr wirklich eine Form. Nach und nach trägt er sich weiter ab. Ein kurzes Leben hat er gehabt. Dennoch werden viele Leute im Laufe der Nacht noch an ihn denken.
Und noch etwas bleibt: Eine mindestens 2 Meter lange braune Spur auf dem Gehweg. Eine Spur, bei der jeder, der sie entdeckt, nur erahnen kann was sich hier gerade zugetragen hat.

22.11.08 14:48


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